PERSÖNLICHKEIT AUS BESCHRÄNKUNG
Ausgangspunkt des Projekts war eine schmale Baulücke mit einer eigenwilligen, nicht orthogonalen Geometrie, die sich konventionellen Bebauungslogiken entzieht. Was zunächst als Einschränkung erschien, wurde bewusst als architektonische Chance verstanden. Gemeinsam mit der Bauherrschaft entschieden wir uns, die Gegebenheiten nicht zu negieren, sondern zum ordnenden Prinzip des Entwurfs zu machen.
Die Realisierung dieses Einfamilienhauses war nur durch einen intensiven Dialog mit Nachbarschaft und Behörden möglich. Kommunikation, Zeit und gegenseitiges Verständnis bildeten die Grundlage, um einen eigenständigen architektonischen Beitrag sensibel in das bestehende Siedlungsgefüge einzufügen. Das Projekt ist damit nicht nur ein Gebäude, sondern auch das Ergebnis eines kooperativen Planungsprozesses.
GEOMETRIE ALS ENTWURFSMOTOR
Die besondere Grundstücksform erforderte eine präzise Auseinandersetzung mit Maßstab, Raumökonomie und Orientierung. Der Grundriss folgt konsequent der Geometrie des Bauplatzes und entwickelt daraus eine eigenständige innere Raumfigur. So entstehen überraschende Blickachsen, differenzierte Raumfolgen und eine hohe räumliche Qualität trotz kompakter Abmessungen.
Das Haus ist klar strukturiert und bietet einer wachsenden Familie langfristige Flexibilität. Die Organisation über drei Ebenen ermöglicht eine funktionale Trennung bei gleichzeitiger räumlicher Verbindung.
KLARHEIT IM SCHNITT – LEBEN AUF 3 EBEN
Im Untergeschoss befinden sich sämtliche Neben- und Technikräume. Das Erdgeschoss bildet mit Wohnen, Essen und Kochen den kommunikativen Mittelpunkt des Hauses und verbindet Innen- und Außenraum durch großzügige Öffnungen. Im Obergeschoss sind die Schlafräume klar zoniert; Eltern- und Kinderbereich sind bewusst getrennt und ermöglichen unterschiedliche Nutzungen über verschiedene Lebensphasen hinweg.
MATERIALITÄT UND KONSTRUKTION
Das Untergeschoss wurde in Betonfertigteilbauweise errichtet, die oberirdischen Geschosse bestehen aus vorgefertigten Massivholzelementen. Diese Konstruktion verbindet Präzision, kurze Bauzeiten und einen geringen ökologischen Fußabdruck.
Die hinterlüftete, unbehandelte Holzfassade altert auf natürliche Weise und entwickelt je nach Witterung und Ausrichtung eine individuelle Patina. So wird der Faktor Zeit sichtbar Teil der Architektur.
LICHT, BLICK UND LANDSCHAFT
Gezielt platzierte Fensteröffnungen rahmen die umgebende Berglandschaft und schaffen eine ausgewogene Balance zwischen Ausblick, Licht und Privatheit. Die reduzierte Formensprache wird durch präzise Details und vertikale Holzlamellen ergänzt, die zugleich Gestaltungselement und passiver Sonnenschutz sind. Auskragende Bauteile des Obergeschosses übernehmen zusätzlich die Verschattung des Erdgeschosses und reduzieren den Bedarf an technischer Beschattung.
ENERGIE UND INNOVATION
Ein wesentlicher Bestandteil des nachhaltigen Konzepts ist die Indach-Photovoltaikanlage mit Speichersystem. Sie übernimmt gleichzeitig die Funktion der Dacheindeckung und verbindet Energiegewinnung, Witterungsschutz und Gestaltung. Der dachflächenbündige Einbau vermeidet konstruktive Schwachstellen und verbessert die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schnee- und Windlasten. So entsteht ein nahezu autarkes Energiesystem. Durch die Errichtung der Unterkonstruktion aus Holz anstatt Aluminium wurde der CO₂-intensive Metallanteil vollständig ersetzt.
FAZIT
Dieses Einfamilienhaus zeigt, dass selbst schwierige Restgrundstücke das Potenzial für außergewöhnliche Architektur besitzen. Die konsequente Auseinandersetzung mit Geometrie, Material, Nachhaltigkeit und Nutzung führte zu einem Gebäude, das zurückhaltend, präzise und selbstbewusst auftritt – individuell, zeitgemäß und mit einer klaren architektonischen Haltung.

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